Ein Kommentar von Liliana Gatterer, Präsidentin des Bund der Selbständigen Rheinland-Pfalz & Saarland e.V.
Der deutsche Mittelstand und die kleinen und mittleren Unternehmen stehen derzeit vor erheblichen Herausforderungen, die das erhoffte „Herbstwunder“ in weite Ferne rücken lassen. Statt Aufschwung herrscht wirtschaftlicher Frost: Die Nachfrage stagniert, Investitionen werden aufgeschoben, und viele Betriebe spüren den steigenden Druck durch Kostensteigerungen und Unsicherheiten. Während Politiker weiterhin von Stabilität und Wachstumschancen sprechen, kämpfen die Unternehmen an der Basis mit realen Problemen, die oft ignoriert oder verharmlost werden. Ein Beispiel wäre die Ungleichbehandlung der Garten- & Landschaftsbauer (Gala) gegenüber Handwerkern und anderen Berufsgruppen im Bereich LKW-Maut, die bereits ab 3,5 Tonnen gilt. Während viele diese zu Recht davon befreit wurden, um eine wirtschaftliche Belastung zu vermeiden, müssen Gala-Bauer die Maut unverständlicherweise weiterhin entrichten.
Energiepreise, Materialknappheit, steigende Löhne und Fachkräftemangel belasten außerdem die Gewinnmargen und bringen selbst gut geführte Betriebe an ihre Grenzen.
Besonders bitter ist, dass politische Entscheidungen häufig nur kurzfristige Erleichterungen bringen oder völlig an den Bedürfnissen des Mittelstands vorbeigehen. In vielen Branchen zeigt sich eine fatale Mischung aus Unsicherheit und Abwarten: Investitionen in Digitalisierung, Innovation oder nachhaltige Produktion werden zwar teilweise vorgenommen, erfolgen jedoch meist nur zögerlich und risikoscheu. Experten warnen, dass diese Phase kein harmloser Durchhänger ist, sondern die wirtschaftliche Resilienz vieler Unternehmen auf die Probe stellt. Der Mittelstand, lange als Rückgrat der deutschen Wirtschaft gefeiert, wird aktuell mit Herausforderungen konfrontiert, die zu groß sind, um sie allein durch betriebswirtschaftliche Tricks oder kurzfristige Anpassungen zu meistern. Wer die strukturellen Probleme – von überbordender Bürokratie über mangelhafte politische Unterstützung bis hin zu fehlender Planungssicherheit – nicht ernst nimmt, riskiert nicht nur temporäre Frostschäden, sondern langfristige wirtschaftliche Schwächung. Der Herbst 2025 zeigt damit klar: Ohne konsequente Maßnahmen und echte Reformen bleibt der deutsche Mittelstand im Frost stecken, während die Politik weiter vom „Herbstwunder“ träumt. Ein breit angelegter Aufschwung wird laut den Wirtschaftsweisen auch 2026 nicht stattfinden. Da hilft es wenig, dass große Teile des Milliarden-Sondervermögens für Umschichtungen im Haushalt oder zur Finanzierung von Wohltaten wie der Ausweitung der Mütterrente herangezogen werden – im Gegenteil, solche Fehlzuweisungen verschärfen die Lage zusätzlich und lassen die Sorgen der kleinen und mittleren Unternehmen weiter unbeachtet.